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(xan) Irgendwo zwischen Berlin und Moskau, auf dem Weg von der Viadrina zur
August-Bebel-Straße steht neben einer Ruine und einem grell schimmernden
Orthopädiegeschäft ein Haus. Der Putz bröckelt, die Wohnungen stehen leer,
über dem Eingang ein Schild: "Speisegaststätte Stadtwappen", unter der
Aufschrift "Futtern wie bei Muttern" hängt eine Klarsichthülle, darin die
Notiz: "Neu: deutsch-russische Küche".
Was unscheinbar bis rustikal daherkommt und den gemeinen Frankfurter
aufgrund eines vermeintlich schlechten Rufes abschreckt, präsentiert sich
nun in neuem, alten Anlitz. Betritt man das Lokal, glaubt man zuerst sich
verlaufen zu haben, aber hier ist man genau richtig, wenn man bisher auf der
Suche nach ungekanntem Flair vergeblich durch die Lokale dies und jenseits
der Oder irrte. Valerij und Irina Grigoriev bieten in der Fürstenwalder
Straße 32 delikate Salate an, sie füllen schmackhafte Teigtaschen und kochen
wohlduftende Suppen.
Dabei fehlen in der Karte weder die russischen Klassiker "Moskauer Salat"
(mit Eiern, Kartoffeln, Wurst und vielem mehr) und "Venigrette" (ein Salat
aus Roten Rüben, Kartoffeln, Gurken und Möhren), noch Spezialitäten, wie die
mit Fleisch gefüllten Blätterteigtaschen "Tschebureki", deren Rezept aus dem
Kaukasus stammt, oder den mit Spinat oder Käse gefüllten Piroggen. Die
Pelmeni sind hier noch von Hand zubereitet und schmecken wie bei jener
sagenhaften Großmutter, die in den stereotypen Weiten der russischen
Föderation in einem Holzhaus auf einem mit Birkenscheiten beheizten Ofen
kocht.
Die Wirtsleute versuchen nach und nach die deutschen Räumlichkeiten zu
erobern und einer sanften Slawisierung zu unterwerfen, ohne damit aber ihr
Stammpublikum zu verstoßen. Dieser Prozess beginnt mit einer freundlichen,
gemächlichen Bedienung und kommt zu seinem vorläufigen Höhepunkt, wenn zur
Suppe ein Holzlöffel gereicht wird (der in keiner ostdeutschen Küche
fehlte, dort aber so gut wie nie benutzt wurde). Den Wirtsleuten ist
anzumerken, dass sie keine gelernten Gastronomen sind die Speisen sind
dennoch vorzüglich. Irina und Valerij Grigoriev strahlen in ihrem Lokal eine
familiäre Güte aus, die man in den Kneipen der Umgebung vergeblich sucht.
Die Atmosphäre der Gaststätte ist filmreif, sie schwankt zwischen stillem
DDR-Muff, dem Grölen eines Zonenrandbesäufnisses, zarter Aufbruchstimmung
und gewöhnlicher Melancholie.
- Öffnungszeiten: Mo-Fr 11-15 & 18-23 Uhr, Sa-So 14-24 Uhr
- Adresse: Fürstenwalder Str. 32, Telefon: (0335) 280 09 44
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